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Es war einmal...


1845


Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts begann eine geschichtliche Entwicklung in Deutschland, deren Einfluss sich wesentlich auf die gesellschaftliche Grundlage der Gegenwart auswirkt. 1832 trafen sich Bürger, Handwerker und Bauern auf dem Hambacher Schloss, um für Einheit und Freiheit in Deutschland zu demonstrieren. Als Folge dieser Versammlung wurden viele liberale Anführer verhaftet und politische Vereine verboten. Trotz allem war die Freiheitsbewegung nicht mehr aufzuhalten und im Jahre 1848 trat in Frankfurt/Main die 1. deutsche Nationalversammlung zusammen. In diese Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen fällt auch die Gründung des Männergesangverein 1845 Osthofen.

Johann Dimmler VI., langjähriger Präsident des Vereins, beschrieb die Gründungszeit etwa 100 Jahre später mit folgenden Worten:

Im Jahre 1845 wurde der Männergesangverein von sangesbegeisterten Männern unseres Heimatortes gegründet. Es mag in jenen unruhigen Jahren, wo revolutionäre Bewegungen unser Vaterland durchwogten auch ein Wagnis gewesen sein. Aber die Freude am Gesang, die jene Männer erfasst hatte, ließ das Werk gelingen.“

Leider sind von den ersten Jahren des Vereinsgeschehens kaum noch Aufzeichnungen vorhanden. Allerdings kann man nachvollziehen, dass es eine rege Tätigkeit gewesen sein muss, die in ganz Osthofen Resonanz erfuhr. Schließlich wurde im Jahre 1856 die erste Vereinsfahne gestiftet und zwar durch die „Frauen und Jungfrauen von Osthofen“. Überliefert sind aus der dann folgenden Zeit mehrmals wöchentliche Singstunden, Teilnahmen an Sängerfesten und viele eigene Veranstaltungen wie Bälle und Konzerte, die den Verein belebten und zu bemerkenswerter Blüte führten.

Diese aufsteigende Entwicklung nahm der Männergesangverein bis zum Jahre 1914. Dann kam der erste Weltkrieg und die Arbeit im Verein ruhte. Viele Mitglieder waren Soldat geworden und sieben aktive Sänger kehrten nicht mehr aus dem Felde zurück.

1. Weltkrieg

Bald nach dem Krieg aber wurde die Pflege des Gesanges wieder aufgenommen. Eine größere Anzahl junger Sänger kam zum MGO und bald waren unter der Leitung des jungen Dirigenten Alfred Spangenmacher die Folgen des Krieges aufgeholt.

Im Jahre 1925 bekam der Verein aus Stiftungen eine dritte Fahne. Achtzig Jahre waren nun seit der Gründung des Männergesangvereins vergangen und das Jubiläumsfest hatte einen glänzenden Verlauf genommen

Es folgten Jahre des Aufstiegs und des Erfolgs, aber auch Zeiten wirtschaftlicher Probleme, politischen Irrsinns und schließlich der 2. Weltkrieg.

2. Weltkrieg

Noch während des zweiten Weltkrieges wurde der Gesang von einer kleinen Anzahl Sängern gepflegt und zwar bis Ende des Jahres 1943. Danach folgte eine trostlose Zeit, in der jedes Vereinsleben ruhte. Im Frühjahr 1945 wurde durch die Militärregierung jede Vereinstätigkeit aufgehoben, der Männergesangverein 1845 Osthofen schien nach 100jährigem Bestehen erloschen zu sein.

 

Aber schon im Dezember des gleichen Jahres erließ das französische Oberkommando eine Verordnung über die Wiederherstellung des Vereinsrechts und der Männergesangverein wurde wieder ins Leben gerufen. 1947 wurde schließlich die Genehmigung erteilt wieder aktiv zu singen und am 02. Oktober 1947 wurde wieder die erste Singstunde abgehalten. Zu diesem Anlass wurde ein Protokoll verfasst, das die, oben bereits zitierten, Worte des damaligen Präsidenten Johann Dimmler VI. festhielt. Weiter heißt es in diesem Protokoll:

 

„In sich selbst gefügt, überdauerte der Verein ein Jahrhundert. Die Vereinsgeschichte dieser verflossenen Zeit umschließt Freud’ und Leid, ein vielfältiges Geschehen, ein Auf und Ab. An manch frohem Feste in unserer Heimatgemeinde war der Verein im Liede ein Feudenspender.“ … „So sind wir in das zweite Jahrhundert des Männergesangvereins eingetreten. Möge es Männer finden, die in treuer Liebe dem Liede und damit der lieben Heimat dienen, immerdar.

                   Das walte Gott!“

 

Man war damals sofort bemüht wieder ein aktives Vereinsleben zu gestalten und von Beginn der Neugründung an wurden wieder Bälle, Fastnachtsveranstaltungen und vieles mehr abgehalten. Besonders schmerzte es damals die Sänger, dass der 100. Geburtstag des Vereins so sang- und klanglos verlief. So entschloss man sich 1950 das 105jährige Bestehen in großem Rahmen zu feiern. Vom 1. bis 3. Juli 1950 zeigte der Männergesangverein 1845 Osthofen mit vielen Veranstaltungen, deren Höhepunkt ein Festzug durch Osthofen darstellte, dass die Schwierigkeiten der vergangen Jahre überwunden waren und der Verein in Zukunft wieder rege und aktiv sein würde.

Gründung des Frauenchores

Anfang der 50er Jahre war es dann auch, als einige Frauen auf die Idee kamen, dass Singen nicht nur Männersache sei. Was 100 Jahre vorher niemandem in den Sinn gekommen wäre, wurde am 12. Januar 1952 von der Hauptversammlung des Vereins beschlossen: Der Männergesangverein 1845 Osthofen gründet einen selbstständigen Frauenchor. Dieser Schritt war auch 1952 sicher noch keine Selbstverständlichkeit. Gemessen an heutigen gesellschaftlichen Werten zeigt er aber die Voraussicht derer, die seinerzeit Verantwortung trugen.

Der Frauenchor erreichte schnell eine beachtliche Stärke und die gesangliche Leistung war bald überregional bekannt und geschätzt. Zeugnis hiervon ist beispielsweise die Tatsache, dass der damalige Bundeschorleiter Rudolf Desch unserem Frauenchor einen eigens geschriebenen Chorsatz widmete.

Für den Männerchor änderte sich zunächst nichts Wesentliches. Beide Chöre sangen getrennt, hatten eigene Dirigenten und hielten eigene Singstunden ab. Im Laufe der Zeit blieb es natürlich nicht aus, dass man die Möglichkeit nutzte, auch als gemischter Chor aufzutreten. War das gemeinsame Singen anfangs eher die Ausnahme und nur zu einigen Anlässen der Fall, wurden die Auftritte des gemischten Chores mit der Zeit immer häufiger. Schließlich verzichtete man ganz darauf getrennt zu singen. So entwickelte sich der gemischte Chor wie wir ihn heute noch kennen.

Die Vereinsaktivitäten der nächsten Jahrzehnte waren von dem Umstand geprägt, dass in dieser Zeit kulturelle Angelegenheiten und gesellschaftliche Ereignisse vorwiegend von Vereinen initiiert und veranstaltet wurden. So engagierte sich der Männergesangverein nicht allein durch gesangliche Auftritte bei den unterschiedlichsten Anlässen sondern tat sich auch durch die Ausrichtung von Bällen, Aufführung von Theater- und Singspielen, der Gestaltung von großen Fastnachtssitzungen und vielem mehr hervor.

Vereinszeitung

Da sich der Verein nach dem letzten Krieg immer ständig vergrößerte und in seinen Aktivitäten immer reger wurde, ließen die Verantwortlichen den Männergesangverein im Jahr 1966 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Worms eintragen. Seither lautet der offizielle Name des Vereins:

Männergesangverein 1845 Osthofen e.V.

Mittlerweile wurde diese Eintragung um die Anerkennung als gemeinnütziger Verein ergänzt, so dass der MGO organisatorisch in eine zeitgemäße, moderne Verwaltung eingebettet ist.

1966 wurde aber noch eine weitere Idee verwirklicht. Der Informationsfluss zwischen Chor, Vorstand und inaktiven Mitgliedern war schwierig geworden, da der Mitgliederbestand ständig anstieg und die Veranstaltungen und Aktivitäten des Vereins zunahmen. Dem trug man Rechnung, indem man eine eigene Zeitung, die „Vereinsmitteilungen“, auflegte. Auch heute noch erscheint monatlich eine Ausgabe dieses Mitteilungsblattes, das in jeden Mitgliedshaushalt gelangt.

Ein Verein wie der MGO, der im Laufe der Jahre bei vielen Veranstaltungen mitwirkt, erhält neben dem Dank der Besucher auch offizielle Auszeichnungen. So durfte der Verein 1957 die von Bundespräsident Theodor Heuß gestiftete Zelterplakette in Empfang nehmen. 1965 überreichte der damalige Bürgermeister Albert Fischer im Auftrag von Ministerpräsident Peter Altmeier das vom Land Rheinland-Pfalz gestiftete Wappenschild in Bronze.

Leider würde es den Rahmen dieser kleinen Chronik sprengen über all die Konzerte, Liederabende, Ständchen, die Besuche von Freundschafts-, Kritik- und Wertungssingen, das Mitwirken an Veranstaltungen der Stadt Osthofen wie Volkstrauertag, Altennachmittagen, Einweihungen und Winzerfesten oder die Besuche der Sängerfeste in Stuttgart, Berlin, Hamburg, Köln und Bremen zu berichten. Sehr viele schöne und erfolgreiche Stunden verbergen sich hinter dieser banalen Aufzählung.

Ausblick

Nur noch wenige Jahrzehnte trennen den Männergesangverein 1845 Osthofen von seinem 200. Geburtstag. Dass er diesen bei bester Gesundheit erleben wird, davon sind alle, die sich in diesem Verein engagieren, überzeugt. Mit der Gründung eines zweiten Chores, dem Pop- und Gospelchor „Five-Lines“, spricht der MGO auch die Menschen an, denen das Singen in einem traditionellen Chor als weniger reizvoll erscheint. Mit seinen beiden Chören ist der MGO gut für die Zukunft aufgestellt. Die gesanglichen Aktivitäten werden auch weiterhin eine Palette umfassen, die von leicht und gängig über klassisch und anspruchsvoll bis hin zu modernen Stücken der jüngsten Generation von Komponisten reicht. Daneben wird auch künftig die Geselligkeit groß geschrieben. Wer einige Freizeit miteinander verbringt, der wächst auch gesellschaftlich zusammen. Der freundschaftliche Umgang der Mitglieder untereinander ist erklärtes Vereinsziel.

Somit ist die Ausgangsbasis für ein weiteres erfolgreiches Wirken des Männergesangvereins 1845 Osthofen sehr gut und alle sind fest davon überzeugt, dass der Verein auch weiterhin alle Aufgaben zum Wohle des Chorgesangs und zur Freude aller erfüllen kann.

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